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3:2! Grandiose Aufholjagd mit Happy End

Was war das bitte für ein Match! Der VC Wiesbaden hat seine Serie auf nun fünf Erfolge in Serie ausgebaut – und der letzte am Halloween-Samstag war eine faustdicke Überraschung. Beim haushohen Favoriten Allianz MTV Stuttgart kämpfte sich die Mannschaft von Paul Sens und den Co’s Jochen Schöps und Marcos Fernández in der SCHARRena nach 0:2-Satzrückstand aufopferungsvoll zurück und nahm nach 125-minütigem Krimi beim 3:2-Sieg (21:25, 26:28, 25:22, 25:19, 16:14) zwei ganz besondere Zähler mit in die hessische Landeshauptstadt.

Der Blick in die Historie unterstreicht die Bedeutung dieses besonderen Moments: Der letzte Bundesliga-Sieg gegen den vierfachen Deutschen Meister gelang den Wiesbadenerinnen im Februar 2017 (daheim); von 46 Spielen im Oberhaus konnte man nur 13 gewinnen. Während sich Mannschaft, Staff und mitgereiste Fans des aktuellen Siegers am Samstag gemeinsam jubelnd – und bewegt – in den Armen lagen, musste Allianz-Chefcoach Konstantin Bitter ausgerechnet an seinem 37. Geburtstag eine unerwartete Niederlage hinnehmen. Seine Mannschaft liegt noch immer hinter dem Leader SSC Palmberg Schwerin auf dem 2. Tabellenplatz (16 Punkte), aber direkt dahinter folgt der VCW mit 13 Punkten.

Für die Truppe von Paul Sens gilt es nun aber, den Liga-Schalter umzulegen und den Fokus auf den kommenden Donnerstag (5.11.2026) zu legen, wenn sich der Dresdner SC in Wiesbaden am Platz der Deutschen Einheit vorstellt – ab 18:30 Uhr kämpfen beide Teams um den Einzug ins zoi DVV-Pokal-Viertelfinale. „Wir hoffen sehr, dass uns die Fans dann kolossal unterstützen. Besonders für unsere zum Teil noch jungen Athletinnen sind die Impulse von den Rängen ungemein wichtig“, betont Paul Sens.

Die Story zum Spiel in der SCHARRena

Erster Satz: 21:25 (0:1)

Der VCW erwischte vor 1.698 Besuchern einen guten Start und setzte sich rasch auf 6:3 ab. Dann packte der Favorit ein paar PS drauf und die Gästeabwehr geriet zunehmend unter Druck (7:7). Der Ball blieb mehrfach im Block hängen, die Angriffslösungen kamen zögerlich. Erst beim 8:12 ballten die Hessinnen wieder die Fäuste. Aber nun leistete sich die Heim-Sechs mehrere Fehler in Folge – der VCW war beim 13:14 wieder dran, ehe Stuttgarts Außenangreiferin Leilani Slacanin ihr Team wieder zurück in die Spur brachte (13:16). Der längere Atem der Gastgeberinnen hielt an (17:22). Wiesbadens Mittelblockerin Roos Wessels steuerte noch zwei Asse bei, aber mehr als das 21:25 war nicht drin.

Zweiter Satz: 26:28 (0:2)

Wiesbaden hatte sich besser auf das gegnerische System eingestellt und erspielte sich mehrfach die Führung (4:3, 10:9, 14:13). Man ließ sich nicht abschütteln – der Favorit war sichtlich beeindruckt. Beim 18:16 hatte Konstantin Bitter in der Auszeit einiges anzumerken. Das beantwortete VCW-Diagonale Marharyta Geiko mit 19:16 und 21:18. Es folgte ein langer Ballwechsel – Stuttgart hatte sich herangepirscht (21:20). Die Gäste blieben indes weiterhin auch in der „Deckung“ aufmerksam (23:20). Nach Marie Steinhilbers Service ins Netz verbuchte der VCW drei Satzbälle ... die allesamt nicht verwertet werden konnten! Das 24:24 resultierte aus einer verunglückten Annahme. Und auch der nächste Satzball wurde verschenkt. Dann hatte die Allianz plötzlich die Nase vorn. Es ging hin und her ... die besseren Nerven bewies am Ende der Gastgeber.

Dritter Satz: 25:22 (2:1)

Nach dem 0:2 keine Spur von Frust auf Seiten der Hessinnen! Stuttgarter Führungen wurden geschickt wieder eingefangen. Das 14:11 war eine echte Ansage. Auch in dieser Phase trumpfte Marharyta Geiko auf (15:13). Video-Challenge beim 16:13 ... erfolgreich für den VCW. Julia Murmann legte das 17:14 nach, die Hessinnen behielten die Köpfe oben (20:17, 21:17). Würde es dieses Mal reichen? 22:19 ... zwei Fehler des VCW ... dann das 23:21 und zwei Satzbälle (24:22). Julia Murmann war es dann vorbehalten, den Sack zuzumachen. Der Arbeitstag war noch nicht beendet! Tolle Teamleistung der „hessischen Allianz“.

Vierter Satz: 25:19 (2:2)

Der Underdog machte unbeirrt weiter (5:1, 8:4). Das 9:4 resultierte aus einem erfolgreichen Block. Dann ein Schreckmoment: Beim 12:7 wurde Marharyta Geiko vom Ball am Kopf getroffen. Nach der Behandlungsphase kehrte die 20-jährige Ukrainerin nicht mehr aufs Feld zurück. Jovana Dordević musste sich bewähren. Der Rhythmus des VCW schien zunächst dahin (15:14), aber die Hessinnen rissen sich rasch wieder zusammen (19:15). Nach einem Monster-Block man sich satte sechs Satzbälle erkämpft. Und dann war es geschafft! Das 25:19 bedeutete zu diesem Zeitpunkt immerhin einen wertvollen Punkt für die Tabelle!

Tiebreak

Wiesbaden machte ohne Hemmungen und mit hohem Druck weiter (5:3). Beim 7:4 griff Konstantin Bitter ein. Seitenwechsel beim 8:6. Julia Murmann scorte zum 10:7! Aber jetzt wurde es eng ... nach zwei zu weit geratenen Bällen von Cayetana López-Rey hatte der Gastgeber ausgeglichen (10:10) – die Halle kochte! Über Einstand ging es weiter (11:11 bis 14:14). Was für eine Spannung! Die wilde Hatz war von Auszeiten, einer Verwarnung für Stuttgart wegen Spielverzögerung sowie einer nicht erfolgreichen Video-Challenge des Gastgebers gekennzeichnet. Nach dem letzten Aufschlag des Spiels von Wiesbadens Emma Burda und einem Block ihrer Kolleginnen ballerten die Stuttgarterinnen das Runde hinter die Aus-Linie ... der Jubel auf VCW-Seite kannte keine Grenzen.

Beste Spielerinnen und weitere Erfolge

Außenangreiferin Julia Murmann (21 Punkte) durfte sich im Anschluss die MVP- Medaille in Gold umhängen. Silber ging an Stuttgarts Diagonale Lydia Grote (USA, 33 Punkte). Bis zum ihrem Ausfall im frühen Stadium des vierten Satzes hatte Marharyta Geiko bereits 24 Punkte auf ihrem Konto.

Für den gesamten Wiesbadener Club war der Halloween-Samstag ein denkwürdiger. Auch der VCW 2 siegte mit 3:2 bei der SG Erfurt electronic. Die junge Mannschaft von Michala „Misa“ Frank rangiert auf dem 3. Tabellenplatz der 2. Bundesliga Frauen Süd. Zugleich fuhren weitere VCW-Teams Siege ein: D3, D5, D7, D8, D9 und D11. Eine Erfolgsbilanz, die sich sehen lassen kann!

(Text: Sabine Ursel)

STATEMENTS

Paul Sens: „Ich bin sehr, sehr zufrieden und auch stolz auf unseren Betreuerstab, der tolle Arbeit leistet. Toll, dass wir uns am Ende eines solchen Krimis belohnen konnten. Wir sind in allen Sätzen drangeblieben und hatten nur in einer Situation einen kleinen Hänger, weil Stuttgart es in dieser Phase sehr gut gemacht hat. Wir müssen aber demütig bleiben. So ein Kunstwerk abzurufen, ist beileibe kein Selbstläufer. Unsere Mannschaft hat gezeigt, welchen Volleyball sie spielen kann. Diese Leistung in Zukunft konstant abzurufen, ist unser mittelfristiges Ziel. Wir machen gute Fortschritte, sind aber noch nicht am Ende unseres Weges.“

Julia Murmann: „Unser Einsatz und unsere Moral waren der Wahnsinn. Wir haben dem Druck standgehalten und nie aufgegeben. Auch nach Rytas Ausfall haben wir weitergepowert und den Fokus beibehalten.“

 

VCW-Kader 2026/27 + Punkte

Zuspiel: Sanne Konijnenberg (Niederlande; 3 Punkte), Hanna Weinmann (nicht eingew.)

Außenangriff: Cayetana López Rey (Spanien; 24), Julia Murmann (Kanada; 21),
Sara Pustahija (Serbien)

Diagonal: Marharyta Geiko (Ukraine; 24), Jovana Dordević (1)

Mittelblock: Rachel Gomez (USA; 9), Roos Wessels (Niederlande; 5),
Kathi Breitenbach (nicht eingew.)

Libera: Rene Sain (Kroatien), Emma Burda

 

TERMINE

zoi DVV-Pokal-Achtelfinale
05.11.2026 (Donnerstag)
18:30 Uhr: VCW – Dresdner SC
Wiesbaden, Sporthalle am Platz der Deutschen Einheit

1. Volleyball Bundesliga Frauen
15.11.2026 (Sonntag)
15:30 Uhr: VCW – SSC Palmberg Schwerin
Wiesbaden, Sporthalle am Platz der Deutschen Einheit

28.11.2026 (Samstag)
17:15 Uhr: Dresdner SC – Dresdner SC
Dresden, Cyberport Arena

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