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Turnier war guter Gradmesser: VCW mit zwei Siegen und guter Performance

Das sah schon sehr gut aus, auch wenn freilich noch Luft nach oben ist: Die Volleyball-Damen des VCW hatten von Freitag bis Sonntag (17.-19.9.2021) drei ambitionierte Liga-Konkurrenten in der heimischen Halle am Platz der Deutschen Einheit zu Gast. Zwei Siege standen am Ende zu Buche; jeweils 2:1 hieß es gegen NawaRo Straubing und den USC Münster. Dem deutschen Vizemeister Allianz MTV Stuttgart musste man sich mit 1:2 geschlagen geben. Für alle Mannschaften und Trainerteams war das Turnier, das weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, eine ernste Belastungsprobe, die rund zweieinhalb Wochen vor dem Saisonstart über den sportlichen Status quo Aufschluss gab. In Sachen VCW heißt das: Das neuformierte Team ist in der Lage, auch Rückstände aufzuholen und im Endspurt Sätze für sich zu entscheiden.

Das ist besonders bemerkenswert angesichts der widrigen Bedingungen, mit denen Chef-Coach Benedikt Frank, seine Assistenten Christian Sossenheimer und Olaf Minter sowie die Athletinnen weiterhin zu kämpfen haben. Das späte Einsteigen der Nationalspielerinnen Laura Künzler (Schweiz) und Dalila-Lilly Topic (Schweden) war einkalkuliert. Olympia-Siegerin Justine Wong-Orantes (USA) landete erst zwei Tage vor Turnierbeginn in Frankfurt. Durch die Verletzungen von Erica Handley (USA; Kapselriss Mittelfinger), Nina Herelová (Slowakei; Knie, Sommer-Reha) und Joyce Ablavi Agbolossou (Frankreich; Innenmeniskus) mussten die verbliebenen neun Spielerinnen unter Druck Tauglichkeit beweisen, das galt vor allem für die Neu-Wiesbadenerinnen. Die erst 19-jährige Zuspielerin Květa Grabovská (Tschechien) erhielt somit unerwartet viel Spielzeit. Sie deutete ihr Potenzial an und agierte laut Trainer Frank angesichts der Umstände „schon ganz beachtlich“. Gute Leistungen bescheinigte er ebenso Außenangreiferin Laura Künzler (sie wurde zeitweise noch geschont), Mittelblockerin Lilly Topic („kann uns in Zukunft viel bringen“) und Diagonalspielerin Lena Große Scharmann, die mit wuchtigen Schlägen und einer Quote von fast 50 Prozent zu überzeugen wusste, obwohl sie hauptsächlich über den Rückraum angriff. Für Libera Justine Wong-Orantes (in Tokio als beste Spielerin ihrer Position ausgezeichnet) bedeutete das Turnier zugleich die erste Trainingseinheit. Die 25-jährige brachte durch routinierte Abwehraktionen wie erhofft Ruhe ins Team. Das galt auch für ihre Landsfrau Anna Wruck (Mittelblock) und Außenangreiferin Tanja Großer. Wong-Orantes, Wruck und Großer sind die einzigen Spielerinnen, die beim VCW einen neuen Vertrag für die Saison 2021/2022 erhalten haben.

Zu den VCW-Spielen

VCW – NawaRo Straubing 2:1
(25:17, 22:25, 25:22)

Die Wiesbadenerinnen bewiesen zunächst in eineinhalb Sätzen gutes Spielverständnis. Straubing fand dann besser in die Partie und spielte sich auch dank mutiger Aufschläge zeitweilig in einen Rausch. Der VCW konterte im dritten Satz eindrucksvoll, zeigte viel Spielwitz und machte weniger Fehler als das ehemalige Team von Benedikt Frank, das jetzt von Head Coach Bart Jan van der Mark (Niederlande) trainiert wird. Einschätzung des VCW-Trainers: „Man hat hier schon gesehen, wozu wir imstande sind. Dieses Spiel war ein Riesenschritt nach der schwierigen Vorarbeit. Dieser Aufgalopp meiner Mannschaft hat mich sehr gefreut.“

VCW – Allianz MTV Stuttgart 1:2
(17:25 28:30, 25:21)

In diesem Spiel brannte das Feuer! Der deutsche Vizemeister begann den ersten Satz bärenstark. Erst beim Stand von 0:6 konnte der VCW den ersten eigenen Punkt verbuchen. Die Frank-Truppe kämpfte sich zwischenzeitlich mehrfach auf drei Punkte Rückstand heran, musste den Satz aber mit 17:25 abgeben. Im zweiten Satz hatten sich die Wiesbadenerinnen besser auf die Stuttgarterinnen eingestellt, obgleich gegen einige Aktionen von Diagonalspielerin Krystal Rivers (USA) kein Kraut gewachsen war. Wiesbaden wurde konstanter, hatte mehrere Satzbälle, verlor dann aber knapp mit 28:30. Im dritten Satz nahm Stuttgarts norwegischer Head Coach Tore Aleksandersen viele Wechsel vor. Ausnahmeathletin Rivers wurde geschont. Der VCW geriet nie in Rückstand und brachte den Satz mit 25:21 vielumjubelt nach Hause. Trainer Frank: „Wir haben in den ersten beiden Sätzen sehr gut dagegen gehalten und konnten das Niveau konservieren. In einigen entscheidenden Momenten haben wir nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen, aber das werden wir analysieren und verbessern. Fakt ist: Dieses Spiel hat richtig Spaß gemacht.“

VCW – USC Münster 2:1
(20:25, 25:23, 25:15)

Benedikt Frank schickte gegen den von Lisa Thomsen trainierten USC Münster ein komplett anderes Line-up aufs Parkett. Lena Große Scharmann (lief vergangene Saison noch für Stuttgart auf) und Tanja Großer behielten ihre Trainingsanzüge an. Mehr Spielzeit erhielten so unter anderem die zwei Neu-Wiesbadenerinnen Pia Leweling (Außenangriff) und die Ex-Münsteranerin Liza Kastrup (Diagonal). Die neue Formation brauchte einige Zeit zur Findung. Dass der erste Satz mit 20:25 gegen den aufschlagstarken USC verloren ging, lag laut Benedikt Frank allerdings an „unseren individuellen Fehlern“. Der VCW konnte sich in den beiden folgenden Sätzen steigern; vor allem der dritte Satz war ungefährdet. Resümee: eine solide Leistung, die am Ende trotz schwindender Kräfte mit einem 2:1-Sieg belohnt wurde.

Fazit

„Wir hatten mit Straubing, Stuttgart und Münster ideale Gegner bei uns zu Gast. Das war ein rundum gelungenes Wochenende. Alle Spielerinnen haben sich gefreut, dass zumindest am Samstag ein paar Zuschauer, darunter auch einige Sponsorenvertreter, in der Halle Stimmung machen duften“, sagt VCW-Geschäftsführer Christopher Fetting. Teammanagerin Simona Vedrödy (geb. Kóšová) – ehemalige Bundesliga- und Nationalspielerin der Slowakei – war als Bindeglied zu den vier Mannschaften gefragt. Coach Benedikt Frank verwies im Anschluss auf die „gute Performance und Perspektive“ seines Teams. „Wir wissen jetzt, wo wir stehen. Wir müssen noch justieren und optimieren, haben aber auf dem Feld keine klassischen Baustellen. Kurz: Wir sind auf einem guten Weg.“ Bleibt zu hoffen, dass sich zumindest Erica Handley rasch wieder integrieren lässt. Für Joyce Agbolossou hingegen werden zwei Krücken noch längere Zeit Realität bleiben. Dass die 19-Jährige dennoch als wichtiges Teil des neuen Teams wahrgenommen wird, zeigte sich nicht allein am Trikot, das die verletzte Außenangreiferin an allen drei Tagen trug. Sie saß nah bei der Mannschaft und wurde auch in Aufwärmaktionen einbezogen. Benedikt Frank lobte denn auch den Zusammenhalt seines Teams: „Wir haben untereinander gut kommuniziert und uns sehr gut nach außen präsentiert.“

Text: Sabine Ursel (Journalistin, Wiesbaden)

VCW-Testspiele gegen Ligakonkurrenten – Trainer Frank zieht Zwischenfazit

Drei Wochen vor dem Start in die 1. Volleyball Bundesliga der Frauen bestreiten die Volleyballerinnen des VC Wiesbaden am Wochenende (17.-19. September 2021) ein hochkarätig besetztes Turnier in der Wiesbadener Sporthalle am Platz der Deutschen Einheit. Die Hessinnen spielen am Freitagabend (18:00 Uhr) gegen das Team von NawaRo Straubing, das in der vergangenen Saison noch vom neuen VCW-Cheftrainer Benedikt Frank gecoacht wurde. Am Samstag (16:00 Uhr) geht es gegen Vizemeister Allianz MTV Stuttgart. Am Sonntagnachmittag (13:30 Uhr) treffen die VCW-Damen auf den USC Münster. Nach den ersten drei Testspielen im September ist dieses Kräftemessen mit Ligakonkurrenten ein bedeutender Gratmesser für Frank und seine Trainermannschaft. Bisher hatten überwiegend die individuelle Entwicklung der Spielerinnen und das Kraft- und Athletiktraining im Fokus gestanden. Die kommenden Wochen werden für diverse Testspiele genutzt. Zum Saisonauftakt trifft der VCW am 6. Oktober auf den deutschen Meister Dresdner SC (19:30 Uhr).

Zwischenfazit: Einspielen im Vordergrund -
mit Wong-Orantes, aber ohne Handley und Agbolossou

„Dieses Turnier ist wie ein neuer Start in die Testspielphase für uns, nachdem nun alle Spieler da und die meisten Spieler einsatzfähig sind. Und darauf freuen wir uns sehr.“, sagt Cheftrainer Benedikt Frank. „Im Vordergrund stehen das Einspielen und das weitere Zusammenfinden als Mannschaft.“ Die ist endlich komplett. Am Mittwoch stieß nun auch US-Olympiasiegerin Justine Wong-Orantes zum Kader. Die 25-jährige Libera wird schon an diesem Wochenende eingesetzt.

In der Vorbereitung auf die neue Saison gibt es indes einige Hürden zu nehmen. Bei einem Testspiel Anfang September in Erfurt verletzte sich US-Zuspielerin Erica Handley. Die 26-Jährige zog sich bei einer Angriffsaktion gegen Schwarz-Weiß Erfurt einen Kapselriss am Mittelfinger zu. Die Heilung wird noch mindestens bis zum Saisonstart andauern. Mittelblockerin Nina Herelová ist nach ihrer im vergangenen Jahr erlittenen Knieverletzung und der in Wiesbaden verordneten intensiven Sommer-Reha nur langsam wieder belastbar. Auf die deutsch-französische Außenangreiferin Joyce Agbolossou kann Chefcoach Benedikt Frank hingegen längere Zeit nicht bauen. Vor knapp zwei Jahren hat die 19-Jährige bei ihrem Klub Volero Le Cannet (Frankreich) einen Innenmeniskusriss erlitten, der offenbar nicht behandelt wurde. „Wir haben uns nach der Diagnose hier in Wiesbaden lange beraten, dann aber in Absprache mit ihrem Agenten klar entschieden, den Vertrag nicht aufzulösen“, betont VCW-Geschäftsführer Christopher Fetting. „Wir wollen Joyce helfen, bestmöglich fit zu werden. Sie bringt viel Potenzial mit, das wir hoffentlich in ihrer zweiten Spielzeit in Wiesbaden abrufen können“, sagt Trainer Frank.

Eine große Herausforderung ist auch das späte Integrieren von Laura Künzler (Schweiz), Dalila-Lilly Topic (Schweden) und Justine Wong-Orantes, die mit ihren Nationalteams noch bis in den September hinein im Einsatz waren. Mit nur sieben Spielerinnen musste der VCW die Vorbereitungsspiele gegen Sm’Aesch Pfeffingen bestreiten, das Team des Ex-VCW-Trainers Andi Vollmer. Hier war viel Improvisation gefordert. Mit dem aktuellen Stand der Saisonvorbereitung ist Benedikt Frank dennoch zufrieden: „Meine Mannschaft hat das in Anbetracht der Umstände gut gemacht. Die Spielerinnen haben eine gute Einstellung bewiesen. Die Atmosphäre stimmt. Jetzt beginnt endlich das Teamtraining und wir wollen natürlich auf ein gutes Gesamtniveau kommen, was aber verständlicherweise noch ein bisschen dauern wird.“ Wie stabil die Truppe schon ist, wird das Turnier am Wochenende in der Halle am Platz der Deutschen Einheit zeigen.

Die Testspiele am Wochenende werden durch den VCW auf Facebook-live gestreamt. Alle volleyballinteressierten Zuschauer, auch die der gegnerischen Mannschaften, haben so Möglichkeit, die vier Teams (VCW, NawaRo Straubing, Allianz MTV Stuttgart, USC Münster) auf dem Spielfeld zu verfolgen.

Text: Sabine Ursel (Journalistin, Wiesbaden)

DA IST DAS DING! Gold für Wiesbadener Volleyballerin Justine Wong-Orantes

Goldmedaille für die USA – und damit für Libera Justine Wong-Orantes, die „im Alltag“ in der 2. Saison für den Bundesligisten VC Wiesbaden aufläuft. Auch Brasilien hatte der geballten Power der US-Damen beim olympischen Volleyballturnier in Tokio nichts entgegenzusetzen. 3:0 hieß es am Ende einer dennoch packenden Partie.

Die Südamerikanerinnen hatten die Vorrunde noch in beeindruckender Manier absolviert und im Viertelfinale das Team des Russischen Olympischen Komitees (ROC) mit 3:1 Sätzen ausgeschaltet. Gegen die Russinnen mussten die US-Girls in Tokio ihre einzige Niederlage hinnehmen; einer der Gründe war die Verletzung der Schlüsselspielerin Jordan Thomson. Das war freilich der Wachmacher. Denn was die Truppe von Trainerlegende Karch Kiraly (4. Olympiasieg!) dann vor allem im Halbfinale gegen Serbien (3:0) und im Finale gegen Brasilien am frühen Sonntagmorgen unserer Zeit auf den Platz zauberte, war Anschauungsunterricht par excellence. Team USA kaufte den Brasilianerinnen durch konzentrierte und präzise Aktionen bei Aufschlag und Annahme den Schneid ab; hinzu kamen an diesem Tag etliche „unforced errors“ der zunehmend demoralisiert wirkenden Frauen in den gelb-grünen Trikots. Justine Wong Orantes – erfolgreichste Libera des Turniers – wusste dabei immer wieder durch kraftvolle Abwehraktionen zu überzeugen.

Die ehemalige Schülerin der Los Alamitos High School ist die erste Südkalifornierin, die Gold für die Vereinigten Staaten im Frauenvolleyball gewonnen hat, wie die Los Angeles Times schreibt. Bemerkenswert sei vor allem Justines Comeback-Qualität, nachdem sie 2018 – nach soliden Leistungen im Nationalteam im Jahr zuvor – zwischenzeitlich ihren Stammplatz verloren hatte. US-Cheftrainer Karch Kiraly bezeichnete Wong-Orantes‘ Weg nach Tokio als „unorthodox“. „Egal, ob die Dinge nach ihrem Willen liefen oder nicht, sie hat sich davon nicht aufhalten lassen. Und jetzt ist sie hier und setzt ein großes Zeichen“, wird er in der LA Times zitiert. (https://www.latimes.com/sports/olympics/story/2021-07-27/justine-wong-orantes-tokyo-olympic-volleyball-gold) Und auch Team-Kapitänin Jordan Larson (geboren in Nebraska und bereits in Puerto Rico, Russland, der Türkei und China aktiv), betont Präsenz und Auftreten der nur 1,68 Meter großen Libera: „Man sieht einfach, dass Justine mit breiter Brust auftritt. Sie ist selbstbewusst und letztlich die selbstloseste Spielerin.“

Wiesbadens Trainer Benedikt Frank, der das Endspiel am heimischen TV verfolgte, verwies noch während des Matches auf die „mega Stabilität“ der US-Amerikanerinnen und die „besondere Geschwindigkeit im Pass“. Abschlagshöhe und Angriffshärte seien auf einem „außergewöhnlichen Niveau“. Frank: „Die Block Defense ist herausragend und Justine die Abwehrwaffe für die krasse Angriffsgewalt.“

Bleibt abzuwarten, welche Impulse Justine Wong-Orantes dem neuformierten Team des VCW zu geben vermag. Die 25-Jährige wird sich jetzt nach anstrengenden Monaten im heimischen Kalifornien erholen und Körner für den Bundesligaauftakt am 6. Oktober im Heimspiel gegen Meister Dresden sowie die weitere Saison in der deutschen Bundesliga sammeln. „Wir alle freuen uns sehr über Justines Erfolg in Tokio und erwarten ihre Rückkehr im September, wo wir sie als Olympia-Gold-Gewinnerin auf jeden Fall gebührend empfangen werden.“, zeigte sich auch VCW-Geschäftsführer Christopher Fetting stolz.

Text: Sabine Ursel (Journalistin, Wiesbaden)
Foto: IMAGO / Xinhua

Finale in Tokio! Justine, go for Gold!

USA def. Serbia, 3-0 (25-19, 25-15, 25-23) – so steht es auf der Website von USA Volleyball (https://usavolleyball.org/).

Das bedeutet im Klartext: Unsere Libera Justine Wong-Orantes kämpft mit ihrem Team am Sonntagmorgen (6:30 Uhr unserer Zeit) um Gold!
Silber ist also schon mal sicher – eine außergewöhnliche Erfolgsmeldung für den VCW und die Stadt Wiesbaden.
Den Europameister Serbien hatten alle Experten auf der Rechnung und damit ein Match auf Augenhöhe. Dass die US-Girls dann aber so konsequent die Taktik ihres Coachs Charles „Karch“ Kiraly umsetzen konnten, war dann doch verblüffend. Die ersten beiden Sätze waren eine klare Angelegenheit. Das Team um Michelle Bartsch-Hackley (spielte schon in Vilsbiburg und Dresden), Jordan Larsen, Jordyn Poulter und Andrea „Annie“ Drews machte ein ums andere Mal kurzen Prozess und beeindruckte durch platzierte Angriffsschläge und exakt getimte Blogs. Lange Ballwechsel waren rar. Jederzeit hochkonzentriert agierte Justine, die besonders im umkämpften dritten Satz grandios verteidigte. Das beeindruckte auch VCW-Trainer Benedikt Frank, der kurz nach dem Spiel von einer „spannenden Anpassung in der Defense“ sprach. Konsequenz: Vor allem die hochdekorierte Spielmacherin Tijana Bošković konnte sich nur selten in Szene setzen.
"Justine ist die einzige Olympionikin der aktuellen Volleyball Bundesliga und wir sind unendlich stolz, sie als VCWlerin im Olympia-Finale zu wissen, was nach ihren Leistungen und der ihres Teams in Tokio jedoch mehr als verdient ist. Die ganze VCW-Familie drückt ihr und ihrem Team die Daumen für die goldene Belohnung beim morgigen Finale. Justine, go for Gold!", so VCW-Geschäftsführer Christopher Fetting

Als Finalpartner, im mittlerweile vierten Olympia-Finale, der US-Amerikanerinnen wurde am Freitagnachmittag Brasilien ermittelt.

Text: Sabine Ursel (Journalistin, Wiesbaden)
Foto: IMAGO / Xinhua

Wiesbaden – Tokio: Interview mit Libera Justine Wong-Orantes

Im Interview: VCW-Libera Justine Wong-Orantes 
Die Fragen stellte Sabine Ursel (Journalistin, Wiesbaden)

Wiesbaden – Tokio:
Interview mit VCW-Libera Justine Wong-Orantes

 Justine, zunächst einmal Gratulation zum Gewinn der Nations League mit dem US-Team. Dort warst Du hinter der Japanerin Kurogo Ai zweitbeste „Diggerin“ des Turniers. Und nun spielst Du in Tokio bei den Olympischen Spielen. Welche Farbe hat die Medaille, die Du nach Wiesbaden mitbringst?

Justine: Vielen Dank! Die Medaille ist hoffentlich aus Gold. Aber wir müssen ein Spiel nach dem anderen angehen. Es bringt nichts, jetzt schon auf ein mögliches Endspiel zu schauen. Wir haben gegen Argentinien und China keinen Satz abgeben müssen. Gegen die Türkei und Italien haben wir knapp mit 3:2 gewonnen, aber gegen Russland 0:3 verloren. Der Turnierverlauf hat gezeigt, dass wir uns steigern müssen. Nun spielen wir am 4. August im Viertelfinale gegen die Dominikanische Republik. Wir sind heiß, wollen unbedingt das Finale am 8. August erreichen. Und ich will als Goldmedaillengewinnerin nach Wiesbaden zurückkommen. Das wäre grandios!

Du bist in diesem Jahr mit dem US-Team extrem gefordert: Nations League in Rimini, Olympische Spiele – und dann steigst Du später als Deine Mitspielerinnen in die Vorbereitung zur neuen Bundesliga-Saison ein. Wirst Du im Herbst und Winter noch genügend körperliche und geistige Power für die Spiele mit dem VCW haben?

Justine: Nach Tokio werde ich erst einmal Zeit mit meiner Familie verbringen. Das ist mir sehr wichtig nach diesem arbeitsreichen Sommer. Und dann werde ich mit klarem Kopf nach Wiesbaden kommen und bereit sein, in der Volleyball Bundesliga für den VCW zu spielen. Ich bin schon gespannt auf meine neuen Mitspielerinnen und natürlich auf unseren neuen Trainer Benedikt Frank und sein Konzept.  

Wie siehst Du Deine Rolle im neuformierten Team?

Justine: Ich freue mich, wieder mit Tanja (Großer) und Anna (Wruck) zu spielen; wir drei sind ja die einzigen, die auch in dieser Saison für den VCW aufs Feld gehen. Jede von uns kann spezielle Erfahrung in das junge Team einbringen. Wir müssen in dieser Saison in vielerlei Hinsicht die Führung übernehmen, auch darauf freue ich mich sehr.

Ich hoffe einfach, dass ich in unserem Team viel Platz in der Annahme und in der Abwehr einnehmen kann. Tanja und ich haben das in der letzten Saison oft gemacht und waren erfolgreich. Es macht sehr viel Spaß, an ihrer Seite zu spielen, weil sie das Spiel sehr gut antizipiert. Ich möchte, dass sich auch unsere neuen Spielerinnen mit mir wohlfühlen und dass ich ihre Leistung steigern kann. Ich werde das, was ich im College, in der Bundesliga und in der Nationalmannschaft auch in Sachen Strategie gelernt habe, auf unser VCW-Team übertragen.

Du bist für viele junge Spielerinnen mittlerweile ein Vorbild. Welche Spielerin hat Dich persönlich bisher besonders beeindruckt?

Justine: Die Beachvolleyballerin Misty May war schon immer mein Idol. Sie hatte unglaubliche Allrounder-Fähigkeiten. Mit Kerry Walsh hat sie 2004 in Athen, 2008 in Peking und 2012 in London Gold geholt. Sie ist – wie ich auch – keine sehr große Spielerin, aber ihre Leistungen und Erfolge sprechen für sich.

Wenn Du wieder in Wiesbaden sein wirst: Worauf freust Du Dich – abgesehen vom Training und den Spielen – am meisten?

Justine: Durch COVID-19 war es bisher schwierig, etwas zu unternehmen. Ich freue mich wirklich darauf, bald wieder mehr von der schönen Stadt sehen zu können. Ich will einfach mal wieder entspannt herumlaufen.

Justine, das Viertelfinale mit Deinem US-Team ist am 4. August um 6 Uhr morgens deutscher Zeit angesetzt. Wir drücken die Daumen und hoffen, Dich in den TV-Einblendungen live in Aktion zu sehen. Alles Gute und viel Erfolg!

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