Trotz Niederlage Charakter gezeigt
Es war knapp – mit ein wenig mehr Kaltschnäuzigkeit hätte der VC Wiesbaden bei seinem Einstieg in die Saison 2026/27 der DEKRA 1. Volleyball Bundesliga Frauen am Sonntag gegen den USC Münster schon Zählbares mitnehmen können.
Der Satzverlauf bei der 1:3-Niederlage belegt, dass beide Teams sich das erwartete Duell auf Augenhöhe geliefert haben: 19:25, 25:19, 22:25, 23:25 hieß es nach 105 spannenden Minuten vor 1.512 Zuschauern.
Was die junge Wiesbadener Mannschaft zu leisten imstande ist, zeigte sie im zweiten Satz, in dem sie den Green Kalinen überraschend deutlich den Schneid abkaufte. Und in den drei verlorenen Abschnitten kämpfte sich das Kollektiv von Chefcoach Paul Sens und den Co‘s Jochen Schöps und Marcos Fernández auch nach größeren Rückständen immer wieder heran. In den entscheidenden Momenten fehlte indes der Mut zum Risiko und ein glückliches Händchen. Der USC Münster vermochte mit den eigenen Fans im Rücken ein paar PS mehr zu aktivieren. Zudem waren für die hessische Seite einige Entscheidungen in Sachen abgepfiffener Ballführung nicht immer nachvollziehbar. Interessant auch: Beide Teams erzielten über die vier Sätze hinweg zusammen nur zehn Blockpunkte.
Dennoch: Die neuformierte VCW-Mannschaft, in der viele Athletinnen das deutsche Volleyball-Oberhaus noch nicht kennen, ist auf dem richtigen Weg. Was auch im Hinblick auf das anstehende Heimspiel gegen die Ladies in Black Aachen am Mittwoch (14.10.26, 19:30) in der Sporthalle am Platz der Deutschen Einheit Mut machen sollte: Die beiden Außenangreiferinnen Cayetana López Rey (Spanien) und Julia Murmann (Kanada) waren mit 20 bzw. 16 Punkten die erfolgreichsten aller Athletinnen an diesem Nachmittag. Die 21-jährige Spanierin wurde dann auch verdient mit der silbernen MVP-Medaille bedacht. Gold ging an die gewohnt starke Außenangreiferin Elena Kömmling (15 Punkte).
Erster Satz (19:25 = 0:1)
Der VCW startete mit 1:0, lag aber wenig später mit 2:4 zurück. Beim 9:9 (Ass) hatte man sich wieder herangerobbt. Ein Rotationsfehler des USC brachte die Wiesbadener Führung. Aber nun waren die Gastgeberinnen agiler und besser abgestimmt, und nach dem 16:16 zogen sie davon (16:20). Beim 18:23 dann die erste Challenge im System – es dauerte lange, bis feststand: Der Einspruch von Paul Sens war vergeblich. Den letzten diagonal geschlagenen Angriffsball vermochte sein Team nicht mehr innerhalb der Begrenzung zu halten. Das 19:25 bedeutete den 0:1-Rückstand.
Zweiter Satz (25:14 = 1:1)
Mund abgeputzt und rein in den Satz! Der VCW ging unbeeindruckt und äußerst helle in den zweiten Abschnitt (3:1, 6:3, 12:5). Die Münsteranerinnen wirkten überrascht. Sie fanden keine Mittel gegen die nun kompromisslos agierenden Gäste (16:6). Diagonale Marharyta Geiko besorgte ihrem Team satte zehn Satzbälle. Einen gab der VCW nach dem bis dato längsten Ballwechsel noch ab, dann war es vollbracht: Mit 25:14 hatten sich die Hessinnen vehement zurückgemeldet (1:1). Bei Julia Murmann standen zu diesem Zeitpunkt bereits 12 Punkte auf dem Konto – die meisten aller Athletinnen.
Dritter Satz (22:25 = 1:2)
Die Gastgeberinnen hatten sich nun berappelt. Nach dem 2:2 setzten sie sich ab (2:5 aus VCW-Sicht). Elena Kömmlimg bescherte ihrem Team einen Fünf-Punkte-Vorsprung (8:13), der auf sieben ausgebaut wurde. Aber: Die Wiesbadenerinnen zeigten Charakter: Sie waren nun am Drücker und rückten den Green Kalinen auf die Pelle – USC-Coach Matthias Pack nahm beim 17:19 vorsorglich eine Atempause. Cayetana López-Rey stellte auf 19:21 und 20:22, Mittelblockerin Rachel Gomez gar auf 21:22 ... Und nach Münsters Ausball war der Ausgleich da! Dann wieder eine Challenge ... 22:23. Nach einem Ausball Wiesbadens hatte der USC nun zwei Satzbälle. Und die saßen, nachdem ein unzulässig geführter Ball des VCW abgepfiffen wurde.
Vierter Satz (23:25 = 1:3)
Der VCW lief nun wieder rasch hinterher. Beim 6:11 (und nach einigen Eigenfehlern) holte Paul Sens seine Damen zum Einnorden an die Seitenlinie. Beim 11:14 tat das dann auf der anderen Netzseite Matthias Pack. Und wieder kämpfte sich der VCW heran (15:15, 16:16). Bis zum 22:23 blieb das Match offen. Aber dann erspielte sich der USC zwei Matchbälle, von denen die Hessinnen nur noch einen abwehren konnten. Damit war die erste Saisonniederlage besiegelt.
Die Mannschaft war enttäuscht, aber sich auch bewusst, dass hier durchaus mehr gegangen wäre. Und schon nach der ersten Analyse im Bus waren Optimismus und Zuversicht wieder da. Auf dieser Leistung lässt sich aufbauen, so der allgemeine Tenor. Am Mittwoch will man vor heimischer Kulisse gegen die Ladies in Aachen ein Feuerwerk zünden ...
(Text: Sabine Ursel)
STATEMENTS
Paul Sens: „Man konnte sehen, welch gute Annahme- und Abwehrqualitäten unsere Mannschaft schon hat. Und wir haben viele kluge Angriffslösungen gezeigt. Auch wenn zu diesem frühen Zeitpunkt noch viel Luft nach oben ist, hat schon einiges ineinandergegriffen. Unsere Einwechslungen mit Emma Burda und Jovana Dordević waren auch hilfreich. Was wichtig ist: Die Mannschaft hat gekämpft und Rückstände aufgeholt. Mit der Gewitztheit Münsters hatten wir freilich so unsere Schwierigkeiten. Uns hat noch die nötige Abgebrühtheit gefehlt. Wir werden aber noch einige Schippen drauflegen und eine unkonventionellere Spielweise aufs Parkett bringen.“
Cayetana López Rey: „Das war ein taktisch geprägtes Match. Mit besseren Block- und Abwehraktionen hätten wir das Spiel dominieren können. Den zweiten Satz haben wir dann so gestaltet, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wir haben viel Energie aufs Feld gebracht, und das werden wir beibehalten. Insgesamt war es ein gutes Spiel, aus dem wir viel lernen. Wir behalten die Köpfe oben und gehen jetzt mutig in die kommenden beiden Heimspiele.“
VCW-Kader + Punkte
Zuspiel: Sanne Konijnenberg (Niederlande; 1), Hanna Weinmann (nicht eingew.)
Außenangriff: Cayetana López Rey (Spanien; 20), Julia Murmann (Kanada; 16),
Sara Pustahija (Serbien; hat noch keine Freigabe des serbischen Verbandes)
Diagonal: Marharyta Geiko (Ukraine; 11), Jovana Dordević
Mittelblock: Rachel Gomez (USA; 6), Roos Wessels (Niederlande; 6),
Kathi Breitenbach
Libera: Rene Sain (Kroatien), Emma Burda
TERMINE – 1. Volleyball Bundesliga Frauen
14.10.2026 (Mittwoch)
19:30 Uhr: VCW – Ladies in Black Aachen
Wiesbaden, Sporthalle am Platz der Deutschen Einheit
17.10.2026* (Samstag) – im Free TV bei Sport1
17:15 Uhr: VCW – Skurios Volleys Borken –
Wiesbaden, Sporthalle am Platz der Deutschen Einheit
*Im Anschluss (Doppelspieltag)
20:15 Uhr: VC Wiesbaden 2 – Pink Crew München
2. Bundesliga Frauen Süd
24.10.2026 (Samstag)
19:00 Uhr: Rote Raben Vilsbiburg – VCW
Vilsbiburg, Ballsporthalle
28.10.2026 (Mittwoch)
19:30 Uhr: VCW – ETV Hamburger Volksbank Volleys
Wiesbaden, Sporthalle am Platz der Deutschen Einheit
31.10.2026 (Samstag)
19:00 Uhr: Allianz MTV Stuttgart – VCW
Stuttgart, SCHARRena
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