Ein 1:3, das durchaus Hoffnung macht
Wenn mit dem VfB Suhl Lotto Thüringen der amtierende Zoi DVV-Pokalsieger und Tabellenzweite der 1. Volleyball Bundesliga Frauen vor eigenem Publikum in den Playoffs zur Deutschen Meisterschaft gegen den Tabellensiebten – den VCW Wiesbaden – antritt, ist die Favoritenrolle klar definiert. Dass die Hessinnen am Sonntag dann aber mehr Widerstand leisteten als von vielen erwartet, macht Hoffnung auf den kommenden Mittwoch (25.3.2026; 19:00 Uhr). Denn dann wollen sich die Schützlinge von Interim-Coach Benedikt Frank und den Co’s Jochen Schöps und Marcel Frisch (Scout) in ihrem Wohnzimmer in der Sporthalle Am Platz der Deutschen Einheit für das 1:3 (9:25; 27:25, 17:25, 20:25) am revanchieren.
Nach einem nervös gestalteten ersten Satz, in dem das hessische System bis zum Schluss nicht ins Laufen kam, präsentierte sich die Mannschaft im zweiten runderneuert und robust. Am Ende brachte man dieses Ding mit klaren Köpfen verdient nach Hause. Im dritten und vierten Abschnitt übernahm dann der Favorit wieder das Ruder, wenn auch nicht mit der in dieser Saison so oft vorgetragenen Dominanz. Die Gäste haben sich alles in allem gut verkauft und durchaus Werbung für das zweite Playoff-Spiel in der Heimat gemacht.
Gute Nachricht: Die seit Januar verletzte VCW-Libera Rene Sain mischte erstmals wieder mit, und sie hatte Energie für alle vier Sätze. Der Zeitpunkt passte: Die Kapitänin hat hier nach ihrer Zeit in Suhl (2018/2019) noch erstaunlich viele Anhänger. Für die 28-jährige Sympathieträgerin erschallten nach Spielschluss wieder einmal Sprechchöre in der Wolfsgrube. Mittelblockerin Laura Broekstra (10 Punkte) konnte sich zum wiederholten Mal die silberne MVP-Medaille umhängen. Gold ging an Suhls Außenangreifern Sanaa Dotson (USA; 21 Punkte).
Erster Satz: 9:25 (0:1)
Klassenunterschied im ersten Kapitel! Nach nur 15 Minuten war der Spuk bereits vorbei. Die erste Auszeit hatte Benedikt Frank schon beim 1:6 angezeigt. Gründe: kein Zugriff, keine Connection, kein Zielwasser. Erst als Sanaa Dotsons Aufschlag zu lang geriet, gab es wieder einen Punkt (2:8). Suhl machte ungehindert munter weiter. Außenangreiferin Mackenzie Foley (USA) servierte das erste Ass (4:12). Der VCW wurde mehrfach erfolgreich geblockt (5:17). Wiesbadens Mittelblockerin Laura Broekstra wehrte später den ersten von 16 (!) Satzbällen ab, dann war es Mackenzie Foley vorbehalten, den Satz mit einem mächtigen Schlag zu beenden.
Zweiter Satz: 1:1 (27:25)
Nun war der VCW sehr viel besser im Spiel und schaffte durch Power und gute Präsenz am Netz die ersten Führungen überhaupt (u.a. 1:0, 4:3, 6:3). Der VfB schien überrascht, schaffte sich aber auf 8:8 und 9:9 heran. Die erste lange Rallye ging an die Gastgeberinnen. Das Spiel blieb bei wechselnden Führungen weiter offen (15:15). Beim Stand von 15:17 war es dann Zeit für Korrekturen durch Benedikt Frank ... zunächst ohne Wirkung (18:21). Aber nun machte Suhl mehrere Eigenfehler und damit war der VCW wieder dran (21:21, 22:22, 23:23). Ein misslungener Service (Mackenzie Foley) bescherte dem VCW den ersten Satzball (25:24) ... der wurde noch abgewehrt. Dann erneut ein Aufschlagfehler! Mit dem folgenden Spielzug belohnten sich die Hessinnen für ihren couragierten Auftritt mit smarten Ideen.
Dritter Satz: 17:25 (1:2)
Raketenstart von Suhl (3:0) mit konsequenteren Aktionen im weiteren Verlauf, aber auch Fehlern, die dem VCW in die Karten spielten (7:8, 9:10). Der frischgebackene Pokalsieger vermochte sich lange nicht abzusetzen, was Cheftrainer László Hollósy sichtlich unzufrieden machte (14:14). Seine eindeutige Ansprache nahmen sich seine Damen zu Herzen, und nun lag der VCW rasch wieder hinten (15:19). Laura Broekstra konnte den ersten von acht Suhler Satzbällen noch abwehren, aber dann setzte VCW-Zuspielerin Sanne Konijnenberg ihren Aufschlag in die Maschen, was gleichbedeutend mit dem 17:25 war.
Vierter Satz: 20:25 (1:3)
Nach dem 0:2 und dem Ausbau der Suhler Führung behielten die Hessinnen die Nerven (Ass von Jimena Fernández Gayoso zum 4:5), und sie gingen sogar in Führung (9:8, 10:9, 12:11). Aufschlagfehler und mutlose Lob-Versuche kamen dann aber den Wölfinnen zugute. Beim 17:24 und dem sicheren Sieg vor Augen kam nochmal kurzzeitig Sand ins Getriebe der Gastgeberinnen. Die später ausgezeichnete Laura Broekstra beendete dann die „Aufholjagd“ ihres Teams, indem sie ihren Aufschlag hinter die Linie setzte.
Nach 89 Minuten war das erste von zunächst zwei Playoff-Matches beendet – Fans und Spielerinnen feierten ihr „Wolfsrudel“ gewohnt lautstark. Die Hesseinnen fuhren indes mit der Gewissheit heim, dem Favoriten am kommenden Mittwoch vor den eigenen Anhängern durchaus Paroli bieten zu können.
(Text: Sabine Ursel)
STATEMENTS
Chefcoach Benedikt Frank: „Wir haben sehr nervös begonnen, aber daraus so stark zurückzukommen, war schon äußerst bemerkenswert. Wir haben zwar emotional verloren vor der lauten Kulisse, aber wir können sehr viele Erkenntnisse mitnehmen, die uns am Mittwoch helfen werden.“
Laura Broekstra: „Wir haben im zweiten Satz eine sehr gute Reaktion gezeigt und bewiesen, dass wir nicht nur mithalten können, sondern durchaus Chancen haben. Es war ein Auf-und-ab-Spiel mit vielen Fehlern auf beiden Seiten. Für Mittwoch bin ich aber guter Dinge und ich hoffe sehr, dass uns viele Fans unterstützen. Man hat in Suhl gemerkt, welch wichtige Rolle das Publikum spielt.“
VCW-Kader + Statistik
Zuspiel: Sanne Konijnenberg (Niederlande; 2), Hanna Weinmann –
Außenangriff: Pleun van der Pijl (Niederlande; 1), Dagmar Boom (Niederlande; 7), Cayetana López Rey (Spanien; 13), Jovana Dordević (nicht eingesetzt) – Mittelblock: Laura Broekstra (10), Hannah Clayton (USA; 3), Kathi Breitenbach (VCW 2; nicht eingesetzt) – Diagonal: Jimena Fernández Gayoso (Spanien; 16) – Libera: Rene Sain, Lilly Bietau (nicht eingesetzt);
Mittelblockerin Marlene Rieger war verletzt nicht vor Ort
TERMINE – 1. Volleyball Bundesliga Frauen
Playoff – Viertelfinale (der Deutsche Meister wird bis zum 2.5.2026 ermittelt)
Rückspiel
25.3.2026 (Mittwoch), 19:00 Uhr
VC Wiesbaden – VfB Suhl Lotto Thüringen
Wiesbaden, Sporthalle am Platz der Deutschen Einheit
Ggf. Entscheidungsspiel
29.3.2026 (Sonntag), 16:30 Uhr
VfB Suhl Lotto Thüringen – VC Wiesbaden
Suhl, Wolfsgrube
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