Interview mit Simona Kóšová: "Ich schaue positiv nach vorne"

VCW-Mittelblockerin Simona Kóšová wird zum Ende der aktuell laufenden Spielzeit ihre höchst erfolgreiche Profi-Karriere beenden. Die gebürtige Slowakin spielte seit 2016 im VCW-Trikot, konnte jedoch aufgrund einer komplizierten Knieverletzung zuletzt kein Spiel mehr für die Wiesbadenerinnen bestreiten. Jetzt ist klar: Simona Kóšová muss ihre Karriere als Leistungssportlerin beenden. Wie die 26-Jährige darüber denkt und welches nun ihre Pläne sind, hat sie in einem Interview verraten.

REDAKTION: Simona, leider musst Du schweren Herzens deine Volleyballkarriere beenden. Was ist dafür der Grund und wie gehst Du mit der Diagnose um?

Kóšová: Es war ein sehr langer Prozess bis ich endlich Gewissheit hatte. Im August 2018 musste ich mich am linken Knie operieren lassen, da ich unter anhaltenden Schmerzen litt. Die Operation verlief auch gut, sodass ich anfangs keine Schmerzen mehr spürte. Als ich das Knie aber wieder belastete, kamen die Probleme zurück. Immer wieder bin ich zu Experten gegangen, die nach einer Lösung suchten. Doch jetzt ist klar: Es gibt keine. Die Patellasehne im linken Knie ist nicht mehr belastbar.

Verletzungsbedingt mit dem Leistungssport aufhören zu müssen, ist das Schlimmste für einen Athleten. Ich versuche es zu akzeptieren und damit umzugehen. Mein Freund (Lubos Vedrödy, Anm. d. Redaktion) ist dabei meine größte Unterstützung. Er hat mich aus meinem Loch geholt und mich motiviert, weiter zu kämpfen. Auch der VCW und die Wiesbadener Fans haben mich in dieser schwierigen Zeit sehr unterstützt. Mittlerweile schaue ich positiv nach vorne.

Du bist eine sehr erfolgreiche Volleyballerin: Du hast unter anderem 25 Mal für die slowakische Nationalmannschaft gespielt. Was zählst Du zu den wichtigsten Momenten in Deiner Karriere?

Es war eine große Ehre für mich, für mein Land zu spielen. Ich konnte an Welt- und Europameisterschaften teilnehmen, bin viel mit dem Team gereist. Das ist schon etwas Besonderes für einen Leistungssportler. Ein wichtiger Moment für mich war auch meine erste Teilnahme am DVV-Pokalfinale. Das war in 2015 mit Aachen. Da habe ich mir gesagt: „Für solche Momente spielst du Volleyball!“

War denn eigentlich schon immer klar, dass Du einmal Mittelblockerin wirst?

Nein. Eigentlich wollte ich Außenangreiferin werden, denn als Mittelblockerin sitzt man die Hälfte der Spielzeit nur auf der Bank (lacht). Das erste Mal Volleyball habe ich mit 13 gespielt, was relativ spät ist. Damals hatte mich ein Trainer angesprochen und mich gefragt, ob ich es nicht mal probieren wolle. Seitdem sind 14 Jahre vergangen. Es ist unglaublich, wie viele Trainingseinheiten ich seitdem absolviert und wie viel Lebenszeit ich mit Volleyball verbracht habe (lacht). 

Du bist dann mit 15 zu Slavia Bratislava gewechselt und hast viele Jahre dort gespielt. Erst dann kam der Wechsel nach Deutschland.

Richtig, das war in der Saison 2014/2015. Mein damaliger Nationaltrainer war auch Trainer bei den Ladies in Black. So bin ich nach Aachen gekommen. Nach zwei Jahren dort unterschrieb ich einen Vertrag in Wiesbaden. Ich hätte nie gedacht, dass „Ausland“ für mich Heimat werden kann. Wiesbaden ist eindeutig mein zweites Zuhause geworden, hier ist eine neue Familie für mich entstanden. Lubos und ich planen daher auch, für die nächsten Jahre hier zu bleiben.

Hast Du Dich neben dem Sport auf das Leben nach deiner Volleyballkarriere vorbereiten können?

Während ich in Bratislava meine Profi-Karriere begonnen habe, absolvierte ich parallel dazu ein Studium im Bereich Wirtschaft. Darin habe ich einen Bachelor-Abschluss. Und zum Glück habe ich studiert. Viele Profi-Sportler denken, dass es selbstverständlich ist, Profi zu sein. Aber man braucht immer einen Plan B. Es war mir immer sehr wichtig, mich auch abseits des Spielfelds weiterzubilden. So habe ich immer auch versucht, Praktika zu absolvieren. In meinem ersten VCW-Jahr war ich zum Beispiel in einem Steuerbüro tätig.

Was empfiehlst Du Nachwuchsspielerinnen, wenn die ihr Hobby zum Beruf machen wollen?

Man muss sehr hart an sich selbst arbeiten und nicht nur trainieren, wenn der Trainer zuschaut. Es ist wichtig, mit Kritik umgehen zu können, denn nicht jede Kritik ist negativ gemeint.  Aber das Wichtigste ist, dass man sich ein Ziel vor Augen setzt, das man mit Motivation und Ehrgeiz erreichen will.

Apropos Ziele: Welche Ziele hast Du nun nach Deiner aktiven Karriere als Sportlerin?

Die beruflichen Perspektiven entwickeln sich gerade, da kann ich noch nichts Konkretes sagen. Lubos und ich möchten gerne noch einige Jahre in Wiesbaden bleiben, bevor wir in die Slowakei zurückgehen. Sportlich gesehen würde ich auch gerne Mal eine andere Sportart ausprobieren. Tennis interessiert mich zum Beispiel. Und wer weiß, vielleicht macht mein Knie irgendwann wieder mit und ich kann den Versuch wagen wieder etwas Volleyball zu spielen.  

Vielen Dank, Simona, für das Gespräch

Foto: Detlef Gottwald

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