Aus dem Wiesbadener Kurier, von Ulrich Schwaab
Die Deutsche Volleyball-Liga (DVL) hat dem Deutschen Vizemeister
VC Wiesbaden die dunkelgelbe Karte gezeigt: Der VCW darf in der
kommenden Saison nunmehr sieben Pflichtspiele in der Halle am Zweiten
Ring austragen. Für alle weiteren Spiele muss sich der VCW eine neue
Heimstätte suchen. Zudem hat die DVL ab der Saison 2011/12 jegliche
Ausnahme für die Spielhalle ausgeschlossen.
VCW-Manager Achim Exner nannte die Entscheidung „willkürlich. Was die
DVL verlangt, ist unmöglich zu erfüllen.“ Der VC Wiesbaden kündigte an,
gegen den DVL-Beschluss Widerspruch einzulegen.
International kein Problem
Damit hat die DVL ihre Drohung umgesetzt und das Fehlen der
Rechtssicherheit über den Bau der Sporthalle am Platz der Deutschen
Einheit als Anlass genommen, dem VCW die angestammte Heimspielstätte zu
nehmen. Von den drei Komponenten Schaffung des Baurechts, Verabschiedung
der Finanzierung und dem tatsächlichen Baubeginn sieht die DVL in einem
Schreiben an den VCW „mindestens die Bedingung der Finanzierung“ als
nicht erfüllt an. Bis Ende Juni hätte der VCW dies nachweisen müssen. Im
Zuge der Gleichbehandlung aller Vereine aber auch in Anerkennung der
Bemühungen des VCW erhalte der Vizemeister daher letztmalig eine
Ausnahmegenehmigung für den Zweiten Ring – allerdings nur für sieben
Pflichtspiele.
Exner, der umgehend Kontakt zu Oberbürgermeister Helmut Müller suchte,
glaubt daran, dass ein Widerspruch Erfolg haben kann. „Die Mittel für
die Finanzierung sind ja im städtischen Haushalt veranschlagt. Das
Problem wird auflösbar, wenn die Stadtverordnetenversammlung in diesem
Monat dem Bau der Halle am Platz der Deutschen Einheit zustimmt“, sagt
Exner.
Gleichwohl hat der VCW bereits für fünf Pflichtspiele die
Rhein-Main-Hallen als Spielstätte reserviert. Weil der Bundesligist aber
neben 14 Heimspielen in der Bundesliga, mögliche Playoff-Auftritte in
heimischer Halle und Pokal-Partien absolvieren wird, muss der VCW für
sechs bis acht Begegnungen eine Halle finden. Dies gilt wohlgemerkt nur
für die nationalen Belange. International nimmt keiner Anstoß an der
Halle am Zweiten Ring. Der europäische Volleyball-Verband CEV erlaubt
internationale Partien am Zweiten Ring.
Exner zeigte sich obendrein verwundert über den Bescheid, weil auch die
Bundesligisten Aachen und Hamburg in Hallen spielen, die in den Augen
der DVL nicht den Anforderungen entsprechen. Bis zum 31. Juli hat der VC
Wiesbaden laut DVL jetzt Zeit, den Vorstandsbeschluss umzusetzen.
Geschieht das nicht, könnte die DVL dem Deutschen Vizemeister Punkte
abziehen oder die Lizenz möglicherweise verweigern. Egal, was das Ende
der leidigen Hallendebatte bringen wird, in Wiesbaden wird es aus Sicht
des Volleyballs Zeit, Fakten zu schaffen.
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