Aus dem Wiesbadener Kurier, Von Christoph Cuntz
Am Ende war die Stimme heiser: Oberbürgermeister Helmut Müller
hatte eine knappe Stunde lang die geplante Bebauung am Platz der
deutschen Einheit erläutert, hatte vor Ort und an einem Stand der
Westend-CDU die Vorteile der Neugestaltung erklärt und mit Bürgern
diskutiert. Er hatte gestritten und geworben.
Seine Argumente: Die geplante Bebauung an dieser Stelle sei „eine
Chance, eine der problematischen Ecken der Stadt neu zu ordnen“. Und:
„Wer Wiesbaden besucht, bekommt derzeit von der Stadt einen völlig
falschen Eindruck, wenn er am Platz der deutschen Einheit vorbeifährt.“
Gebaut werden soll Geschäftshaus samt Sporthalle
Das bayerische Unternehmen Max Bögl soll mit der Bebauung auf dem Platz
beauftragt werden. Beschlossen ist das noch nicht, viele Stadtverordnete
sind noch skeptisch. Ein Geschäftshaus soll Max Bögl als Investor
bauen, das verbunden ist mit einer Sporthalle, die bis zu 2.200
Zuschauern Platz bietet. Die soll die Stadt mieten. 30 Jahre lang. Und
jedes Jahr soll Wiesbaden drei Millionen Euro zahlen für Miete,
Instandhaltung und Bewirtschaftung.
Die Finanzierung freilich spielte gestern nur am Rande eine Rolle. Wer
zur Westend-CDU gekommen war, der fragte nach Lösungen für
Verkehrsprobleme. Vor allem aber galt das Interesse den städtebaulichen
Aspekten. Zabi Zadran etwa beklagte den Drogenhandel vor Hauseingängen
des Inneren Westends, das an den Platz der deutschen Einheit grenzt.
„Wenn nichts passiert, ziehen Familien und Freiberufler weg.“ Das aber
sei schade, „weil das so schöne Häuser sind“. Zabi Zadran setzt darauf,
dass die städtebauliche Neugestaltung von Wiesbadens zentralem Platz
positive Ausstrahlung hat auf das gesamte Quartier. Und auch
Oberbürgermeister Müller weiß, welche Hoffnungen sich an die Planungen
knüpfen: „Die Leute glauben, dass es jetzt vorangeht.“ Er will sie nicht
enttäuschen: „Deswegen brauchen wir die Bebauung.“
„Alles aus einem Guss“
Was der Investor inmitten von Wiesbaden bauen wird, wird eingegrenzt von
neuen Plätzen. Neu gestaltet wird der Faulbrunnenplatz. Ein Café und
eine öffentliche Toilettenanlage sollen dorthin. Und an seinem Rand wird
eine der größten Bushaltestellen der Stadt entstehen. Geplant ist
ferner ein neuer Quartiersplatz, im Herbst soll die Planung vom
Stadtparlament beschlossen werden. „Alles aus einem Guss“, verspricht
Andreas Guntrum, Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft SEG,
der zusammen mit einer Lenkungsgruppe den günstigsten Investor für den
Platz der deutschen Einheit gesucht hat.
Wiesbadens Schuldezernentin Rose-Lore Scholz gehörte zu dieser
Lenkungsgruppe. „Für den Schulsport ein Riesen-Gewinn“, nennt sie die
vorliegende Planung. Denn längst seien Wiesbadens Schulsporthallen
ausgebucht, der Neubau also wird dringend benötigt. Aus dem Etat Schule
und Sport sollen die drei Millionen Euro genommen werden, um Miete und
Bewirtschaftung der Halle zu bezahlen. Sie setzt darauf, dass der Etat
um diese Summe aufgestockt wird. Mit im Bunde in der Lenkungsgruppe war
auch Stadtentwicklungsdezernent Joachim Pös. Die Bebauung auf dem Platz
der deutschen Einheit nennt er „eine Chance, die nur alle 20 Jahre
kommt. Ein Jammer, wenn das schief geht“.
|